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50 T 3 G LT – der Schlüssel zum Glück?
Bach Stradivarius Bassposaune mit Thayerventilen
Von Josua S. Zwanzger

„Das Beste ist und bleibt einfach die Bach!“ Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie mich vor 20 Jahren mein erster Posaunenlehrer mit seinen 1,95 cm Größe und einem treublauen Augenaufschlag angeblickt hatte und diesen Satz gesagt hatte. Also spielte ich Bach – für etwa 10 Jahre. Jetzt freue ich mich, für SONIC eine Bach Bassposaune ausführlich in der Hand zu haben und vor den Mund zu bekommen.

Die Tradition
Kein anderer Name steht so sehr für die amerikanische Tradition des Blechblasinstrumentenbaus wie „Vincent Bach“. Nur wenige Hersteller haben eine ähnlich umfassende Präsenz in den Orchestern weltweit erreicht. Für die professionelle Trompeten- und Posaunenserie aus dem Hause Bach-Selmer steht der Name „Stradivarius“, weil in den 20er Jahren etliche Musiker Bachs Trompeten als „eine wirkliche `Stradivarius´ unter den Trompeten“ beurteilten. Die vorliegende Bassposaune dieser Serie gehört mit einem Preis von etwa 5900.- Euro zur preislichen Spitzenklasse im Angebot der Bassposaunen. Vergleichbare Instrumente ähnlicher Ausstattung wären z.B. die Bassposaune von Shires, die 4744.- kostet, oder von Kromat für die man 6520.- Euro aufbringen muss. Bei diesen Summen darf es kein Problem sein, hohe Ansprüche an Verarbeitungsqualität und Klang zu stellen.

Ausstattung
Bach-Selmer bietet verschiedene Ausstattungen für Bassposaunen an. 9 ½“ oder 10 ½“ Schallbecher in Messing oder Goldmessing. Traditionelle Ventile, Hagmann oder Thayer-Axial-Ventile. Standardmäßig gehört ein Messingaußenzug zum Instrument, ein leichter, ein „lightweight“ Außenzug ist optional erhältlich. Für diesen Test liegt die folgende Ausstattung vor: Unabhängige Thayerventile (inline), die mit gesplitteter Mechanik (Daumen-Zeigefinger) betätigt werden. Ein 9 ½“ Schallbecher in Goldmessing, der aus einem Stück gefertigt ist. Der Außenzug ist aus Neusilber. Die Bohrung des nicht austauschbaren Mundrohrs ist mit 14,3 mm marktüblich. Das Instrument wird mit dem bekannten und wuchtigen Koffer und mit Pflegemitteln geliefert.

Der optische Eindruck
Die Posaune bemüht sich hochwertig zu wirken. Die Lötstellen sind zwar sauber und der Lack weist auch keinerlei Lacknasen auf. Aber es sind an den Ventilbögen Schlieren im Lack und am Schallbecherrand Verunreinigungen sichtbar. Die Lotnaht des Bechers ist deutlich erkennbar. Da muss man z.B. bei Kromat schon länger suchen. In Zeiten von Miniball wirken die Kunststoffführungen der Schubstangen billig. Bach will damit eine Geräuschentwicklung vermeiden, die ihre traditionellen Ventile „ausgezeichnet“ hat. Leider gelingt das nicht. Auch bei der vorliegenden Posaune klappert die Mechanik des 1. Ventils laut und vernehmbar. Die kleine Metallplatte zum Betätigen des zweiten Ventils wirkt lieblos angelötet. Sie ist verkratzt, scharfkantig und nicht verstellbar. Zudem ist sie so ungünstig angebracht, dass der Autor das Ventil weder mit dem Zeige-, noch mit dem Mittelfinger gut erreichen konnte. Und wer hat schon so einfach einen Instrumentbauer um die Ecke, der sich dieses Problems annehmen kann und den Hebel individuell einstellen kann? Es gibt viele Hersteller von günstigeren Bassposaunen mit Thayerventilen, die hier Besseres liefern. Die oben erwähnte Posaune aus dem Hause Shires ist dafür ein gutes Beispiel. Bach selbst kann es ja bei den Instrumenten mit traditionellen oder Hagmann Ventilen anders. Peinlich sind die verklebten und schmutzigen Innenzüge am Hauptstimmzug. Belustigend wirkt die Feder vom Quersteg zum Gestänge des 2. Ventils. Sie sieht nicht nur gewöhnungsbedürftig aus, sondern ist sicherlich reparaturanfällig. Das ohnehin schon straff gefederte 2. Ventil benötigt mit dieser weiteren Feder einen hohen Kraftaufwand des linken Zeige- oder Mittelfingers. Vielleicht soll damit ein Hängen des 2. Ventils, wie es von den Thayern bekannt ist, vermieden werden. Aber das darf nicht auf Kosten des Handlings gehen. Auch hier setzen andere Hersteller in diesem Preissegment komfortablere Maßstäbe. Unverständlich bleibt, warum der Schallbecher nicht grundsätzlich auswechselbar ist. Damit das 2. Ventil für Pflegemaßnahmen vom Instrumentenbauer ausgebaut werden kann, sind die meisten Stege ohnehin schon schraubbar. Drei Schrauben mehr und der Bläser / die Bläserin hätte hier mehr Möglichkeiten. Besonders in Verbindung mit austauschbaren Mundrohren gäbe es viel mehr individuelle Gestaltungsmöglichkeiten. Das schafft sogar eine Getzen 3062 AF und die ist für etwa 2000.- Euro weniger zu haben. Mit ein paar Tropfen Öl laufen die Thayerventile gut, mit einer kleinen Portion Slide-O-Mix gleitet der Zug wie geschmiert. Das leichte Kratzgeräusch wollen wir jetzt einfach einmal überhören, denn wir wollen das Instrument endlich spielen.

Der „Bach-Sound“
Kenner und Liebhaber der Stradivarius Instrumente verweisen in Diskussionen über die Verarbeitungsqualität immer auf den „Bach Sound“, der ebenso legendär ist, wie der Name Bach selbst. Der leichte Zug unserer Bassposaune passt im ersten Moment gut zum Goldmessingbecher. Die Ansprache ist durch die verschiedenen Register hinweg sehr leicht. Der dunkle, gerade und klare Klang im Mezzoforte gefällt sehr gut. Die Intonation stimmt. Man fühlt sich schnell wohl. Die Quart- und Sextventillage spricht sauber an und verändert den Klangcharakter des Instruments nicht. Das kann man eindeutig den Thayerventilen zugute halten, die einen ungehinderten Luftfluss zulassen. Die Kontralage beeindruckt. Hier käme niemand mehr auf die Idee, eine Bassposaune mit „kleinem“ Becher vor sich zu haben. Erweitert man beim Spielen die dynamische Bandbreite geht der positive Eindruck etwas verloren. Wobei hier persönliche Vorlieben eine große Rolle spielen. Ich empfand es als ungeheuer mühsam ein Pianissimo zu spielen. Der Ton reißt zu schnell ab und verliert an Glanz. Auf der anderen Seite, im Fortissimo, klingt das Instrument aggressiv und scharf. In der Ventillage wird diese Veränderung durch die Thayerventile noch verstärkt. Die Posaune plärrt sehr unangenehm los. Hier wäre es sicherlich einen Versuch wert, einen Messingzug aus dem Hause Bach auszuprobieren. Auch wenn die leichte Ansprache etwas verloren gehen würde, dürfte das Messing den Klang abrunden und kompakter gestalten. Die Gefahr dabei wäre aber, dass der landläufig bekannte Witz über die Dynamik einer Bassposaune („An“ oder „Aus“) Wirklichkeit werden könnte. Eine andere Möglichkeit wäre es, einen Neusilberkranz am Schallbecher anzubringen. Diese, bei deutschen Posaunen übliche Bauweise, vermeidet ein zu starkes Auseinanderreißen des Tons. Aber bei einem Instrument von der Stange bleibt das ein Traum oder wird zu einer kostspieligen Angelegenheit bei einem Instrumentenbauer.

Fazit: Der 9 ½“ Goldmessingbecher tut der Posaune gut. Über den leichten Zug kann man streiten. Ich finde, das Instrument spielt sich damit ohne großen Kraftaufwand und lässt in einem begrenzten dynamischen Rahmen klangliche Gestaltung zu. Die Thayerventile passen vom Charakter sehr gut zu diesem amerikanischen Konzept von Posaune. Wenn man es mag, wird man mit diesem Sound sicher glücklich. Trotzdem bleiben aus meiner Sicht Mängel beim vorliegenden Instrument, die in dieser Preisklasse indiskutabel sind. Insgesamt könnte man von einem zufrieden stellenden Instrument reden, mit einem großen Namen und einem viel zu großen Preis. Sicherlich findet man unter den Bach Stradivarius Bassposaunen mit Thayerventilen besser verarbeitete Instrumente mit einem insgesamt überzeugenderen „Sound“. In jedem Fall gibt es aber Bassposaunen anderer – gerade auch amerikanischer - Hersteller, die zusätzlich zur besseren Verarbeitung und zu einem ebenbürtigen Klang zu einem günstigeren Preis zu bekommen sind.

Pro und Contra

+ dunkler, großer und klarer Klang
+ Luftfluss der Thayerventile
+ gute Intonation
+ leichte Ansprache

- wenig Möglichkeit zur Tongestaltung
- Klangverlust in extremen Dynamikbereichen
- viele Verarbeitungs- und Ausstattungsmängel
- Preis-Leistungs-Verhältnis

Hersteller: Bach / Conn-Selmer, USA
Modell: Bach „Stradivarius“ 50 T 3 G LT
Technische Daten: Schallbecher: 9 ½“ bzw. 241.4 mm aus Goldmessing, Bohrung des Mundrohrs: .562“ bzw. 14,28 mm, Lightweight Zug aus Neusilber, Thayerventile, inline.
Lieferumfang: inkl. Koffer, Pflegematerial und Mundstück
Preis: ca. 5900.- Euro (Angaben von GEWA)

Kontakt: www.conn-selmer.com www.bachbrass.com