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Modell TTB 1

Stimmung B/F/D
inline, open wrap
Bohrung 14,3 mm
10 1/2“ Schallbecher aus Goldmessing, Neusilberzug mit Goldmessingbogen
klarlackiert inkl. Gig Bag

 

aus sonic 5.2006

Die Hölle aus Württemberg, Bassposaune von Matthias Hölle
von Josua S. Zwanzger

Glaubt man dem biblischen Josuabuch, dann hatten die himmlischen Posaunen des Volkes Israel für die Mauern der Stadt Jericho sowie für alle Bewohner eine ziemlich verheerende Wirkung (Jos 6). Sie erlebten in diesen Kriegstagen die Hölle auf Erden. Kann die schwäbische „Hölle“-Bassposaune hier wieder Punkte gut machen und die Zuhörer in musikalische Himmelsregionen befördern? Die Blechschmiede des Meisters Matthias Hölle ist ein Ein-Mann-Betrieb, der sich neben Reparaturarbeiten auf den Posaunenbau spezialisiert hat. Seine Website spricht von „hochwertigen Lösungen“ und „hohem Qualitätsniveau“, die Meister Hölle garantiert. Mit einem Preis von 5400.- Euro liegt die Testposaune im oberen Marktsegment.   

Verarbeitung
Die Verarbeitung entspricht den Versprechungen und dem Preis in jedem Fall. Es macht Freude, das Instrument anzusehen und in die Hand zu nehmen. Ventil- und Stimmbögen, sowie der Schallbecher sind fast komplett aus Goldmessing gefertigt und geben dem Instrument zusammen mit einigen wenigen Neusilberstücken ein wertiges Aussehen. Gut ausgewogen vermisst man im ersten Moment keinerlei Haltehilfe, wie z.B. eine Daumen-Zeigefinger-Stütze. Die Ventile sind unabhängig angeordnet (inline), die Ventilbögen open wrap, der Trigger des zweiten Ventils verstellbar. Es sind keinerlei Verarbeitungsmängel erkennbar, die Ventile laufen hervorragend, geräuschlos und schnell. Ebenso der Zug, dessen Außenzug aus Neusilber mit einem Goldmessingbogen versehen wurde. Das Goldmessingmundrohr lässt sich auswechseln.

Beim genaueren Hinsehen fallen einem sinn- und liebevolle Details auf: der Holztrigger des Quartventils wirkt edel und wird vom Daumen sicherlich immer genussvoll betätigt. Verschiedene Daumengrößen werden mit ihm problemlos zurechtkommen, denn er wurde gut positioniert. Einen sehr soliden Eindruck macht das ganze Ventilgestänge. Da steht eine andere handwerkliche Qualität im Hintergrund, als bei so manchen Posaunen der gleichen Preisklasse aus dem Land „über dem großen Teich“. Es muss schon mit dem Teufel zugehen, wenn an diesem „Hölle“ngestänge etwas verbogen werden sollte. Ein Lob an den Meister, auch wegen der Verbreiterung an der Wasserklappe. Sehr komfortabel und praktisch.

Verwundert war ich über das zweite Ventil, das um 180 Grad verdreht eingebaut wurde, als sonst üblich. Gut gedacht: es wird vermieden, dass Öl- oder Fettreste an der Ventilachse am Hemdkragen des Musikers landen oder die Ventilbewegungen am Hals als störend empfunden werden. Gleichzeitig besitzt dieses obere Ventil einen abschraubbaren Schutzbügel, der einen direkten Kontakt des Ventils mit der Backe des Musikers vermeiden soll. Auch hier grundsätzlich gut gedacht, aber schlecht ausgeführt: mit diesem Schutzbügel ist es mir schlichtweg unmöglich, das Instrument mit dem üblichen 90 Grad Winkel an den Hals zu legen. Der Bügel drückt kräftig in mein Unterkiefer und ich erreiche das Mundstück beim besten Willen nicht so, wie ich es brauche. Erst wenn ich die Posaune weit aufklappe, kann ich sie spielen. Aber dann zieht das Gewicht des Ventilteils nach außen und die Triggerstange des zweiten Ventils kommt mit dem Haltesteg des Zugs ins Gehege. An dieser Stelle muss Meister Hölle sein Konzept überdenken, sonst ist die Posaune nicht so spielbar, wie Posaunen eben gespielt werden. Man könnte z.B. das zweite Ventil weiter nach innen drehen, aber dann wird die ganze Mechanik komplizierter werden. Oder man könnte sich doch entschließen, das zweite Ventil im üblichen Stil einbauen zu lassen. Glücklicherweise ist hier alles möglich. Sich auf individuelle Wünsche einzustellen, bereitet Matthias Hölle keinerlei Probleme.

Der Klang
Die Bassposaune liefert einen Klang, der am ehesten einem wärmenden Feuer entspricht, mit dem man lange Zeit zufrieden leben kann. Ein loderndes Höllenfeuer entzündete das Instrument bei mir nicht, auch wenn auf der Stürze ein Dreizack mit Teufelsschwanz eingraviert ist.
Aber vielleicht etwas genauer: Der große Schallbecher, aus einem Stück gefertigt, garantiert einen typischen Bassposaunenklang: voluminös und kernig. Bei der Verwendung der beiden Ventile bewegt sich der Luftdurchfluss für traditionelle Ventile in einem überaus akzeptablen Rahmen. Mir selbst gefällt am besten, dass die Posaune sich sehr leicht anblasen lässt, gut intoniert ist und durch die Lagen hindurch eine gleichmäßige Klangfärbung aufweist.
Obwohl die Posaune den Ton im Fortissimo noch gut zusammenhält, könnte für mein Gefühl ein schmaler, 1,5 cm breiter Neusilberkranz der Stürze noch einen kleinen Hauch mehr klangliche Stabilität schenken. Steigt man ab dem kleinen B nach oben fehlt etwas Glanz im Ton, ähnlich wie im Piano. Dem entspricht mein Eindruck auf der Gegenseite, dass die tiefen Töne leicht gedeckt klingen.
Dankenswerter Weise lieferte Matthias Hölle die Testposaune mit zwei verschiedenen Stimmbögen. Beide sind absolut baugleich, nur jeweils aus Messing bzw. aus Goldmessing. Und man kann einen deutlichen Unterschied wahrnehmen.
Wie es von den Metallen her zu erwarten ist, hellt der Messingbogen den Klang auf, während die Töne mit dem Goldmessingbogen samtiger und dunkler klingen. Allerdings bietet letzterer einen höheren Widerstand und verlangt mehr Kraft beim Anblasen. Den Klang in extrem lauter Dynamik nicht ganz zum Zerreisen zu bringen, gelingt dem Goldmessing wiederum besser, als dem Messing. Mir persönlich würde eine Mischung der beiden am besten gefallen: die leichte Ansprache des Messings und der charmantere Klang des Goldmessings. Matthias Hölle wird hier sicherlich gerne zu einem handwerklichen Engel, der einem diese Wünsche erfüllen kann.

Fazit
Ein handwerklich hervorragend gearbeitetes Instrument, dessen musikalische Möglichkeiten für meinen Geschmack nicht ganz die oberen Schichten des musikalischen Himmels erreichen. Der Markt für Bassposaunen ist sehr eng und es dürfte für Matthias Hölle mit diesem Instrument nicht leicht fallen, sich zu positionieren. Dazu bietet die Posaune – trotz aller positiven Aspekte - für mich zu wenig Besonderes für diesen hohen Preis.
Übrigens: Zur Ehrenrettung der Instrumentengattung darf nicht unerwähnt bleiben, dass vor Jericho keine Posaunen benutzt wurden, sondern in Wirklichkeit Schofarhörner, Blasinstrumente aus Widder- oder Antilopenhörnern.

Pro und Kontra
+ Verarbeitung
+ Ansprache und Intonation
+ Verwirklichung individueller Wünsche
- Schutzbügel am zweiten Ventil