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NEU: XO-Serie JP-1240RLT

Stimmung: Bb/F/Gb/D
Bohrung: 14,50mm
Schallbecher: Goldmessing
aus einem Stück handgehämmert
241mm Durchmesser
drei austauschbare Mundrohre
(2x Messing, 1x Neusilber)
inline, open Wrap
lackiert

1240 RL, wie RLT nur mit traditionellen Ventilen

jupiter_thayer

740 L bzw. 740 RL

Stimmung: B/F/Ges/D
inline, open wrap
Bohrung: 14,27 mm (.562”)
Schalbecher: 25 cm (10”)
Messing oder Rotmessing

 

Vor etwa 8 Monaten bin ich von meiner alten Bach Stradivarius 50BG, einem Leihinstrument, auf eine JP-1240RLT von XO (der Edelmarke von Jupiter) umgestiegen. Ich hatte längere Zeit damit liebäugelt, Posaune zu studieren, und da kamen eigentlich nur die "großen" Marken wie Thein, Leatzsch oder Throja in Frage. Als ich mich von der Idee des Musikstudiums verabschiedet hatte, konnte ich die Deutsche Posaune auch vergessen - viel zu teuer! Eine neue Posaune musste trotzdem her und die Ansprüche waren ja auch noch da. Deshalb war ich auch nicht gerade begeistert, als mir die Jupiter empfohlen wurde. Nicht gerade eine Marke mit besonderem Ruf... oder?
Nach einer Woche intensiven Testens habe ich mich dann doch für das gute Stück entschieden und heute bin ich unglaublich froh über diese Entscheidung. Für den Preis (mich hat sie damals nur gut 3000 Euro gekostet, weil sie schon etwas länger im Laden stand) kriegt man sonst nirgendwo eine derart gute Posaune.
Fangen wir mal mit der Bauweise und der Verarbeitung an: Zuerst mal, die JP ist schon ein dickes Ding, was vor allem an den Thayer-Ventilen liegt. Da die Stimmzüge auch relativ weit auseinander liegen, ist sie auch sehr breit. Daran musste ich mich erst mal gewöhnen - mit einem Schal oder einer Jacke mit Kragen zu spielen ist einfach nicht drin. Aber das lässt sich ja verkraften. Problematisch war eher, dass sich eine Schraube am Ventil immer in meinen Hals gebohrt hat. Inzwischen ist eine Gummikappe drüber und ich spüre das auch nicht mehr. An das höhere Gewicht habe ich mich auch gewöhnt - nur bei längerem Spielen merkt man, dass der linke Arm irgendwann müde wird.
Die Verarbeitung ist soweit gut. Der Zug läuft prima, nur die Ventile sind ein wenig zäh. Triller sollte man am besten vermeiden. Die Posaune hat insbesondere an den Stimmzügen sehr viele Schrauben, die man von Hand lösen kann und die leider auch manchmal von selbst ein wenig lose werden. Mit einem kleinen Handgriff ist das Problem aber gelöst.
Aber im Vergleich zu den Spieleigenschaften ist das ja nur kalter Kaffee. Auf den Klang und die Ansprache kommt es an! Und hier zeigt die Jupiter, was sie drauf hat. Zuerst einmal: Sie ist eine klassische Amerikanerin. Zwar ist der Klang variabel und kann auch warm und rund sein (wie es ja im klassischen Orchester sein muss), aber am besten ist sie in der Big Band aufgehoben. Im Gegensatz zu Posaunen deutscher Bauart tendiert sie klanglich nicht in Richtung Tuba, sondern ist immer klar als Posaune zu erkennen. Und das ist auch gut so! Insbesondere in der Tiefe ist der Sound unglaublich fett und knackig. Die Ventillage läuft dank der Thayer-Ventile super, nur bei dem C bzw. H mit zwei Ventilen spürt man doch einen Unterschied im Luftwiderstand. Unglaublich Spaß macht es einfach, mit der Jupiter im Kontra-Ventilbereich zu spielen (also Kontra-F bis zum Subkontra-B). Mit viel Luft und einem guten Ansatz kann man selbst die tiefsten Töne in einer unglaublichen Intensität und Lautstärke spielen. Nicht nur in der Big Band kann man so richtig loslegen, auch wenn man z.B. bei Polka-Stücken die Tubastimme spielt. Da geht einem Bassposaunisten wirklich das Herz auf...
In der Höhe Mittellage leistet sich die Jupiter auch keine Schwächen. Im Gegensatz zu vielen amerikanischen Posaunen klingt der Ton nicht matt oder dumpf, vor allem bei höherer Lautstärke ist er klar und obertonreich. Wegen des kleinen Trichters ist der Ton aber auch immer relativ zentriert, er mal also nicht so "auf", wie deutsche Posaunen.
Fazit: Ich hätte kaum eine besser Entscheidung treffen können, das Preis/Leistungsverhältnis ist unschlagbar. Die Jupiter ist eine Allrounderin, es gibt nichts, das man nicht mit ihr spielen könnte. Aber vor allem in der Big Band ist es eine wahre Freude, so richtig mit ihr loszulegen. Sound und Spielgefühl sind klasse. Allen Menschen, die nicht mal eben 8000 Euro in der Brieftasche haben, aber trotzdem ein Top-Instrument spielen wollen, lege ich die Jupiter ans Herz.
Johannes Kohnen

 

Ich spiele nun seit 20 Jahren aktiv Posaune zwar eigentlich Tenorposaune (KING 4B mit Quartventil) doch seit ca. einem Jahr hatte/habe ich reges Interesse an einer Bassposaune. Habe dann auch einige getestet aber meistens war mir der Preis etwas zu hoch. Dann stieß ich auf eine Jupiter Bassposaune bei einem Händler und dachte, probieren kann man es ja mal! Ich war schon etwas erstaunt, was Jupiter da auf die Beine gestellt hat! Eigentlich habe ich die Marke Jupiter immer ein wenig belächelt, doch nach diesem Test nehme ich alles zurück! Meine Entscheidung fiel dann auch auf eine Jupiter Bassposaune. Es gibt mit Sicherheit einige Bassposaunen die vieles etwas besser können als die von Jupiter, doch für meine Zwecke als Nichtprofi ist dieses Instrument allemal ausreichend. Ich will hier nicht sagen, der Test (siehe unten) wäre nicht gut gemacht oder so, nur jeder spielt sein Instrument halt eben etwas anders! Mag auch sein, ich habe ein "frisches" Instrument bekommen, letztes Jahr gebaut. In 5 Jahren kann sich da auch wieder einiges geändert haben! Mein Fazit: Preis/Leistungsverhältnis ist bei diesem Instrument Top!
Joachim Josten

 

aus SONIC 5/2003 “Bassposaunen im Test”, von Ansgar Nake

Yamaha YBL 620 G und Jupiter JP-740 L

Nicht mehr ganz jung (nun schon zwei Jahre alt) ist die '620' von Yamaha; Jupiter feierte vor fast einem Jahr mit der '740' Premiere - die erste Bassposaune des taiwanesischen Herstellers überhaupt. Beide liegen mit einem Preis von unter EUR 3.000 fast gleich auf und gehören zum Standard-Repertoir des Fachhandels

Die Konstruktion der Druckwerke ist von beiden Ventilsystemen vollkommen unabhängig: beide Testkandidaten haben das gleiche Druckwerk, das sich immer mehr durchzusetzen scheint. Wir betätigen hier mit dem Daumen - wie gewohnt - das Quartventil und mit dem Mittelfinger das Terzventil.

Die üblichen, gut passenden Koffer, das übliche Zubehör - da versteckt sich im Yamaha-Etui doch tatsächlich noch ein D-Stimmzug! Er ist als Option im Preis enthalten und eröffnet zusätzliche Möglichkeiten - ein erster Pluspunkt nach Japan.

Die Instrumente sind sehr verschieden. Jupiter setzt auf den großen Messingbecher (mit 254 mm Durchmesser im sonst üblichen Mittelfeld), Yamaha baut bei allen Bassposaunenmodellen Goldmessingbecher ein - bei der '620' ist er recht klein geraten und mit 241 mm genau 13 mm kleiner als der taiwanesische Kollege. Bei der Bohrung ist es umgekehrt. Yamaha bietet mit 14,3 mm Standard-Größe, Jupiter fällt mit 14,25 mm etwas ab. Der Anblastest verspricht interessant zu werden!

Bei der Ventilkonstruktion schwört Jupiter auf das In line-System (mit Drückern für Daumen und Mittelfinger). Sehr gut, keine Plastikgelenke mehr, wie früher üblich; Minibal ist also auch in Taiwan angekommen.

Gleiches Druckwerk bei Yamaha, allerdings Gelenke vom Fabrikat 'Hausmarke' - die Japaner sollten in dieser Beziehung ihren Stolz endlich mal hinten anstellen! Durch das 'off set'-System ist die '620' natürlich eine ganz anderen Posaune als der Konkurrent - mit der 'alten' 612 hat sie nur noch das Ventilsystem gemeinsam, ansonsten ist sie eine echte Neuentwicklung. Ein Blick noch auf die Züge: Neusilber mit Messingbogen bei Jupiter, in gewohnter Optik Neusilber komplett bei Yamaha. Sie laufen hervorragend. Hier muss ich Jupiter lobend erwähnen - denken wir an die alten 636-Züge und sehen, was bei der Produktion heute hervorgebracht wird. Dazwischen liegen Welten. Hochwertige Qualität zeichnet die handwerkliche Verarbeitung der Instrumente aus.

Hier kann wirklich kein Unterschied mehr zwischen den beiden Fabrikaten ausgemacht werden - bis auf ganz kleine Unsauberkeiten (bei beiden Instrumenten) ist alles sehr gut gelungen. Welche soll man nehmen? Der Anblastest entscheidet.

Die ersten Spielversuche zeigen es sofort: reiche Erfahrung im Bassposaunenbau kann nichts ersetzen.

Gewohnt bequem, gut ausbalanciert mit sehr gut positionierten Drückern liegt die Yamaha-Posaune bei jedem Spieler fast automatisch richtig. Sie wirkt klein und zierlich, als Conn 112H-Spieler oder 8B-Posaunist ist man andere 'Hobel' gewöhnt. Jetzt kann ich richtig schön am Schallbecher vorbeischauen - wenn nicht gerade gespielt wird.

Und das geht richtig gut! Die Ventile laufen in Yamaha-Qualität, Triller sind kein Problem, Zufriedenheit macht sich breit. Mancher 'Getrennt'-Bläser muss sich zwar erst auf dem System zurecht finden, dann wird die zusätzliche Möglichkeit der 'in line'-Konstruktion aber schnell vergessen. Der Luftfluss ist bei geschlossenem Quartventil sehr frei und wenig eingeengt, leichte Einbußen zeigen sich beim Drücken von Ventil 'Eins' und noch deutlicher bei voll kombinierter Spielweise.

Das fiel aber wirklich bewusst nur auf, wenn man die Haagston PB-2, die zufällig noch im Hause war, als Referenz hinzu zog. Dann wurde deutlich, dass konventionelle Ventiltechnik nicht so gut sein kann, wie teurere Spezialsysteme - die hat die Jupiter-Posaune aber auch nicht, sondern das 'in line'-Ventilsystem. Wir testen mal an.

Das Instrument fühlt sich 'hakelig' an, längst nicht so bequem zu halten und noch unbequemer zu greifen. Die Drücker liegen viel zu weit auseinander und können nur kurzzeitig gemeinsam betätigt werden. Ebenfalls zu weit auseinander sind Becherstütze und Zugquersteg positioniert - eine zusätzliche (verstellbare) Handstütze wäre eindeutig von Vorteil - obwohl es bei Yamaha ja auch ohne geht.

Bereits nach einigen Minuten zeichnet sich im Handballen der Rändel für die Befestigung des Posaunenzuges deutlich ab - nicht gerade bequem.

Der Widerstand im Ventilsystem ist eindeutig höher als bei der japanischen Konkurrenz - diverse Biegungen und Einengungen der Luftsäule durch immer zwei Drehventile bleiben natürlich nicht unbemerkt - ob die größere Flexibilität bei den Grundstimmungen diesen Nachteil ausgleichen kann?

Beim Soundvergleich wird klar: was die '740' auch versucht, die '620' kann es noch ein bisschen besser. Ihr Becher ist klein - das hört sich aber nicht so an. Da muss die '740' richtig arbeiten, um hier mithalten zu können - Bassposaunenhersteller favorisieren eindeutig Goldmessing im Schallstückbau.

Beide Instrumente stoßen natürlich an ihre Grenzen, wenn es im tiefen Bereich richtig 'zur Sache' geht und der Profi das Letzte aus den 'Kannen' heraus zu holen versucht. Die Pedaltöne können beide Instrumente erreichen, wirklich schön und klar klingt das aber nicht mehr, besonders, wenn beide Ventile benutzt werden. Mittlere und hohe Lagen werden gut gemeistert; im Fortissimo brauchte die kleine Japanerin sich nicht verstecken und sie legte sich wacker ins Zeug. Die Große aus Taiwan tat sich auch hier schwerer: Fortissimo-Passagen waren immer an der Grenze zum Schmettern, was sich auch im unteren Bereich fortsetzte.
Intonation bei der Bass-Posaune - immer ein Thema für sich. Die Posaune ist kein Ventil-Instrument; werden gleich zwei Wechsel eingebaut und betätigt, stimmen alle Längen und Zugpositionen nicht mehr - man muss ausgleichen. Doch beide Konkurrenten zeigten sich hier relativ unbeeindruckt. Steckt der D-Stimmzug im System, muss der Posaunenzug fast auf der ersten Position plaziert werden, dann kann man spielen.

Natürlich gibt es Instrumente, die es besser können und die von professionellen Musikern bevorzugt verden. Sehen wir auf den Preis der beiden Kandidaten, liegen wir im unteren oder allenfalls erst mittleren Segment.

Welche soll man nehmen? Der Test zeigt eindeutig, dass die Yamaha 620G mehr Vorteile bietet. Angefangen beim Handling über Bequemlichkeit, Sound und Ansprache zeigt sie wirklich gute Qualitäten - und beweist die Erfahrung des japanischen Herstellers. Das eingebaute Ventilsystem arbeitet problemlos und ist für alle Fälle bestens zu gebrauchen. Bei Soundverhalten und Ansprache ist es wohl mitverantwortlich für das gute Ergebnis. Es muss also nicht immer 'in line' sein.

Jupiter hat mit der 740 L wieder mal einen ersten Schritt in die richtige Richtung getan. An diesem Instrument ist noch Feinarbeit angesagt; es kann zwar insgesamt zufrieden stellen, aber in diesem Segment ist die Luft 'sehr dünn' und der Bläser fordert hier einen hohen Qualitätsstandard. Den hat Yamaha mit der '620' sicherlich erreicht, Jupiter - so vermuten wir - werden wir spätestens beim zweiten Anlauf mit auf der Zielgeraden sehen. Dann vielleicht auch mit einer 'Off set'-Variante?

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