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Also… Das Problem
In meiner Bassposaunenstimme habe ich einen Lauf in Achtelnoten zu spielen: A (Pedalton) - B (Pedalton) - H - C - Cis - D (mit beiden Ventile) - Dis - D (mit einen Ventil), und dies fortissimo bei Tempo Viertelnote = 176. Es war einfach nicht hinzukriegen, und nicht etwa weil dieser Lauf zugtechnisch ungünstig lag. Vielmehr hatte ich den Eindruck, dass die Noten einfach nicht ansprachen (beim Versuch fortissimo zu spielen erst recht nicht) und dumpf und "muffig" klangen. Ich habe daraufhin kräftig geübt und mich auch in meinen Bassposaunenschulen (Aharoni, Ostrander, Raph) nach geeigneten Übungen umgesehen. Inzwischen klappt es recht gut, aber ganz zufrieden bin ich dennoch nicht: den kräftigen, fetten Ton den ich beim Aufbau des „Klangteppischs“ bei anderen Stücken blase muss ich buchstäblich in das Instrument hineinpressen.
Zwei Sachen möchte ich dazu noch erwähnen:
- ich spiele eine Bach Bassposaune Model 50BLG mit herkömmlichen Ventilen
- menschliches Versagen schreibe ich nicht systematisch der Ausrüstung zu…
Aber…
Könnte es sein, dass meine Posaune mit ihren verwundenen Bögen (kein open wrap Modell) und den kleinen zylindrischen Ventilen dem Luftstrom einfach zu viel Widerstand entgegensetzt als dass sich die Ventiltöne richtig entfalten könnten?

Du könntest übungshalber eine Zeitlang den Pedalton B mit beiden Ventilen spielen. Dadurch bekommst Du ein anderes Gefühl für die rechte Lippen(ent)spannung, den Luftfluss und die Rachenöffnung, die erforderlich ist, um die Töne im Kern zu treffen. Fortissimo heisst: viele Obertöne - also im wesentlichen den Kern der Töne treffen. "Hineinpressen ins Instrument" arbeitet hier eher entgegen. Angststellen verschliessen oft den Rachen und bremsen den Luftfluss. Oft klingen die Töne auch muffig, weil die Intonationsvorstellung im Kopf der des Instruments widerspricht. Du könntest die richtige Lage der Züge mit einem Stimmgerät prüfen.
Fred Böttcher

Das Problem kenne ich durchaus auch. Nach meinen Erfahrungen können verschiedene Gründe dafür ausschlaggebend sein, die einzeln oder in der Kombination zu diesem Problem führen. Ich würde in solch einem Fall immer einen guten Lehrer kontaktieren, denn die Ursache auf die Entfernung zu ermitteln ist immer schwierig. Trotzdem ein paar Tipps für den Anfang.
Zum einen sind enge Ventile schon mal hinderlich. Vor allem Ventile älterer Bauart sind hier immer eine Schwachstelle. Ein Lehrer von mir (allerdings ein hoher Jazz-Posaunist) ist auch der Meinung, dass Ventile an einer Posaune nix zu suchen haben. Bei einer Bassposaune unmöglich, aber enge Ventile können vor allem im tiefen Register nerven. Abhilfe könnte der Einbau moderner Ventile wie Thayer, Hagmann oder Full-Flow von Laetzsch schaffen. Ich persönlich habe sehr gute Erfahrungen mit den Full-Flow Ventilen gemacht. Meine Empfehlung wäre daher, in Bremen bei der Firma Laetzsch mal nachzufragen, ob Dein Instrument damit nachgerüstet werden kann. Allerdings wäre ein Rückbau sicherlich mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden, so dass Du es eigentlich nicht richtig ausprobieren kannst.
Ein Open wrap System wird, so finde ich, immer überschätzt. Die Änderungen sind damit nur marginal, wichtiger sind die Ventile. Allerdings kommt eine Bassposaune deutscher Bauart im unteren Register dem Spieler deutlich entgegen, wenn man sie regelmäßig spielt.
Hat man die richtigen Ventile, gibt es anderes Problem: Die Bassposaune braucht viel viel Luft. Hier hilft nur, regelmäßig Atemübungen zu machen. Gut helfen hier die Übungen von Malte Burba, der sein eigenes Programm zum Erlernen von Blechbläsern hat. Auch wenn er umstritten ist, so können seine Atemübungen weiterhelfen.
Last not Least hilft die richtige Technik weiter. Ich stoße die unteren Register nicht an der oberen Zahnreihe, sondern zwischen den Zähnen oder sogar noch tiefer an, dann kommen die Töne schneller. Allerdings muss man dies üben....
Dazu zwei Übungen: vom großen B zum kleinen B, runter zum Kontra B, wieder rauf zum kleinen b und dann wieder zum Großen B. Dieses langsam beginnend und dann immer schneller werdend, zunächst gebunden, dann stoßend. Wichtig ist, immer auf die gleiche Tonqualität zu achten, bevor das Tempo erhöht wird.
Zweite Übung: Vom mittleren F abwechselnd chromatisch runter und rauf, über vier Schläge gehalten, so dass die Tonspanne immer größer wird. Wichtig hierbei; Das die Tonqualität immer gleich ist und die Töne auf Anhieb getroffen werden.
Aber wie schon gesagt, wichtig wäre es, das Problem mit einem guten Lehrer anzugehen.
Sören Jacobsen

Ich antworte als Instrumentenbauer mit Spezialgebiet Bassposaune und viel Erfahrung mit Bau und Akustik der Bassposaune. Mit 2 zugeschalteten Ventilen hast du mehr Rohrlänge als ein F-Tubist. Akustisch hat eine solch lange Röhre immer eine Verzögerung und die Kunst der Instrumentenbauer ist hier sehr hilfreich, um das Problem zu meistern. Mit Maestro Ben van Dijk haben wir über viele Jahre genau an diesem Problem gearbeitet und über Mensuren (Konische Bohrung im Zug), Metallstärken (weniger als 0,35 mm !), die Wiederbelebung des berühmten Kruspe Metalls, Ventile von Hagmann oder Thein Stern-Ventile und progressive bore in den Ventilen, Klangstäbe und Klangperlen, sehr schöne Lösungen gefunden. Herzliche Einladung, das zu probieren. Frankreich ist nicht weit und wir versenden auch nach Frankreich zum Probieren. Aber in Bremen in unserem Atelier gibt es die zweite wichtige Möglichkeit: ein Instrument an den Bläser anzupassen wie einen Maß Frack.
Heinrich Thein

Ich spiele zwar nicht Bassposaune, aber das Problem ist mir dennoch vertraut. Bei 2 Ventilen wird dieses noch größer sein, ist aber trotzdem dasselbe. Und das einzige, was dagegen hilft, ist, das gezielt zu üben. Ich kenne nicht viele Übungen dafür, aber eine ist vielleicht nicht schlecht, speziell für die Ventiltöne, aber auch allgemein für das tiefe Register:
Man versuche, einen To,, der normalerweise mit Ventil gespielt wird, ohne dieses zu spielen. Die Zugposition muss die gleiche sein. Wenn das einigermaßen klappt (funktioniert durch ein bisschen Probieren recht schnell, der Ton wird sich aber nie so anhören, als wenn man das Ventil gedrückt hat) kann man folgende Übung machen.
Man beginne bei Bb und spielt dann ohne Ventil F, so dass zwischen den Tönen ein Glissando entsteht. Das kann man dann wie folgt fortsetzen:
Erste Zugposition: Bb - F - Bb - F - Bb - F - Bb
Zweite Zugposition: A - E - A - E - A - E - A
....
Eine weitere Fortsetzung wäre:
Bb - F - D - F - Bb (das D auch so ziehen, als benutze man das Ventil, aber dieses nicht drücken.)
...
Und noch eine Fortsetzung:
Bb - F - D - Bb1 - D - F - Bb
...
Marko Bartel

Der Übergang von Pedaltönen zu Doppelventiltönen ist auf jedem Instrument schwierig. Das Rohr der ist bei Doppelventil-Tönen sehr lang. Der Luftwiderstand größer. Für H-C-C#-D brauchst du deshalb mehr Kraft, also: Unmengen Luft. Die Machart der Ventile wird vielleicht etwas überbewertet. Ich habe die Studien von Phil Teele einmal während der Ferien über einen Zeitraum von Wochen durchgezogen, 2-3 Stunden täglich. Er schreibt dazu: "Within a year you should know how your embochure works. This is a lifetime exercise." Recht hat er! Aber auch drei Wochen waren schon nicht schlecht.
Übe mal zwei, drei Wochen lang Kontra D abwärts, viele Töne, laut und lange aushalten, 3-5 Minuten spielen, genauso lange Pause, noch einmal einige laute Töne, jeweils lange aushalten, dann den nächsten Halbton abwärts, eine Weile (ca. 5 Minuten) spielen, eine Weile (ca. 5 Minuten) Pause. Das mache aber nicht jeden Tag, das ist zu anstrengend. Vielleicht jeden zweiten Tag. So ähnlich beschreibt es Phil Teele´s "Advanced Embochure Studies for Bass Trombone". Das ist ungefähr eine Oktave tiefer, als du es brauchst. Wenn du das eine Zeitlang übst, dann ist dieser Bereich von Kontra-A bis großem D nicht mehr Untergrenze des Tonumfangs, sondern untere Mittellage. Dann funktioniert das auch entsprechend gut.
Du kannst natürlich auch eine Kontrabassposaune verwenden, da sind die "blöden" Töne weiter unten, nämlich Kontra G und Kontra Gb. Das klingt in der Big Band tierisch. Da wird das Bari-Sax erblassen vor Neid. Dafür gibt es aber keine Dämpfer zu kaufen. 
Harald Kraetzschmer

Ich würde zuerst mal andere Mundstücke probieren. Dann einen Profibassposaunisten in der Nähe aufsuchen und das Instrument anspielen lassen, dabei eine Stunde nehmen (auch in Bezug auf Mundstücktest). Das Geld ist in jedem Fall gut investiert, denn ein Umbau kostet das 10 fache... Das Instrument vom Instrumentenbauer auf die Sperrung der Ventile überprüfen lassen und die Dichtheit der Ventile durch Pfloppen der Ventilzüge probieren (das halte ich am wahrscheinlichsten, wenn es wirklich am Instrument liegen sollte). Dann mal die üblichen Verdächtigen mit Volldurchgang (Thayer, Hagmann).
CHRISTOPH ENDRES, Blech in Nürnberg